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Alexander Technik

Alexander-Technik

Eine zweite exzellente Methode neben der Feldenkrais-Methode um muskuläre Verspannungen abzubauen und den mittleren Idealzustand des Körpers zu erreichen, ist die nach dem australischen Schauspieler F.M. Alexander benannte „Alexander-Technik“.
 
Was ist die Technik in der Alexander-Technik? Regelmäßig sehe ich Artikel, die darauf hinweisen, dass die Alexander-Technik schriftlich nicht gelehrt werden kann, sondern eine Erfahrung ist, die sich nur live, über die Arbeit mit dem AT-Lehrer vermittelt. Das stimmt zum Teil: Vieles in der AT läßt sich nicht im Sinne zu Hause nachvollziehbarer „Übungen“ beschreiben.
Dennoch, denke ich kann man/frau einen genaueren Vorgeschmack dazu geben, was da nun eigentlich gemacht wird, in der AT und was der spezifische „Pfiff“ dieser körpertherapeuthischen Methode ist.
 
In der Alexander-Technik geht es um das öffnen von (muskulären) Körperräumen. Sie können durch einen Blick in Ihre Umwelt leicht festellen, dass die einzelnen „Räume“ des Körpers bei vielen Menschen (wenn nicht bei fast allen) geschlossen sind. So lassen Menschen den Kopf hängen, bzw. ziehen ihn in den Nacken, oder ziehen die Schultern Richtung Brust ein, oder spannen den unteren Rücken zum Hohlkreuz, oder ziehen den Fuß und das Bein mit Hilfe der Gesäßmuskulatur nach Aussen (Watschelgang). In all diesen Fällen schliesst muskuläre Spannung/Verspannung den Raum zwischen zwei oder mehreren Punkten des Körpers ein Stück, so dass sich der Körper quasi „verkleinert“. Das entspricht einem Prozess der Alterung, als Umkehrung dessen, was mit dem Körper im Säuglingsalter geschieht (quasi dem Prozess der fortgesetzen Geburt): Der Säugling entwickelt sich, indem er seine Muskultur entspannt, lockert und damit für Bewegung frei macht. So ist die Säuglingshand zunächst fest geschlossen und der erste Reflex einer des Zusammenziehens (Schutz- bzw. Stopreflex; vgl. Thomas Hanna). Erst allmählich öffnen sich die Räume des Körpers und werden frei für komplexere Bewegungsmuster (auf den Bauch drehen, Krabbeln, Sitzen, Stehen, Gehen etc.).
Die Alexandertechnik (und hier ist sie im Ziel eins mit anderen Methoden, wie z.B. der Feldenkrais-Methode) versucht also den Prozess der muskulären Entspannung und körperlichen Öffnung erneut aufzugreifen und damit Bewegungspotential freizusetzen, dass dem Menschen durch „Fehlhaltungen “ und Verspannungen, seit ungefär dem dritten Lebensjahr verloren geht. Sie legt ihr Augenmerk auf die verschiedenen muskulärern Prozesse, die im Körper bei alltäglichen Tätigkeiten ablaufen und hilft der eigentlichen Bewegungsmotivation entgegenstehende muskuläre Prozesse zu erkennen, zu hemmen und dadurch die gewollte Bewegung effektiver zu machen, bzw. allererst zu ermöglichen.
Die grundsätzliche Überlegung dabei ist, dass der Körper dem Kopf folgt, bzw. zwischen Kopf und Füssen eingespannt ist. Der Kopf als schwere Kugel, die an der Spitze der Wirbelsäule sitzt, beeinflusst mit seinem Druck die gesamte Lage der Wirbelsäule, des Beckens und der Beine und verändert, je nach seiner Haltung, die muskuläre Spannung des gesamten Körpers. Gelingt es, Bewegung so zu organisieren, dass der Kopf alle Bewegung frei bei „geöffnetem“ Okzipitalgelenk (Kopfgelenk) begeleitet, bzw. einleitet und der Rest des Körpers frei dieser Öffnung nach „oben“ folgt, dann – und das ist Alexanders revolutionäre Entdeckung und Herz der Alexander-Technik – kann der Körper sich in völliger Leichtigkeit, befreit von aller unnötigen muskulären Spannung bewegen. Alexanders Technik, platt gesagt, meint also: Öffne das Kopfgelenk, lass den Kopf nach vorne/oben streben und lass den restlichen Körper frei folgen, d.h.: weite die Schultern, löse/öffne die Rippen, erlaube den Schulterblättern frei zu fallen, öffne die Leisten etc. etc.
Offensichtlich ist das Erlernen der Technik, nicht so einfach, wie sich diese Liste lesen läßt, aber der prinzipielle Weg zu körperlicher Leichtigkeit erfolgt – im Sinne der Alexandertechnik - in dieser von der Öffnung des Kopfes ausgehenden Kettenreaktion. Deswegen kann Alexander auch sagen: „Höre auf das Falsche zu tun (und damit meint er das Kopfgelenk durch minimale Kontraktion der Nackenmuskeln zu schliessen) und das Richtige (die muskuläre Öffnung des Körpers) geschieht von selbst.
 
Der Weg auf dem sich die Technik erlernen läßt, ist die gemeinsame Arbeit zwischen AT-Lehrer und AT-Schüler: Gemeinsam erforschen sie zunächst alltägliche Bewegungen, wie Gehen, Stehen, Sich-Hinsetzen etc. und im weiteren Verlauf andere für den Schüler relevante Tätigkeiten, wie Lesen, am Computer arbeiten, ein Instrument spielen, reiten etc. Dabei begleitet der Lehrer/die Lehrerin den Schüler/die Schülerin bei seinen/ihren Bewegungen mit den Händen, mit dem Blick etc. und hilft auf kontraproduktive Spannungen aufmerksam zu machen, bzw. diese zu hemmen und Ideen für alternative Spannungszustände zu entwickeln. Dabei kommen typischerweise „Formel“ der Autosuggestion zum Einsatz, wie z.B.: „Die Brust darf sich weiten“; „Die Schultern sind leicht und entspannt“; „Der Kopf geht nach oben und vorne“; „Die Grozehen fliessen in den Boden“ etc.
Neben der Arbeit an Tätigkeiten, gibt es auch die Arbeit auf dem Tisch in liegender Position (konstruktive Ruheposition, Beine angewinkelt, Kopf auf Büchern ruhend um die Halswirbelsäule korrekt zu lagern). Hier „öffnet“ der/die Alexander-Lehrerin durch Handauflegen und sanfte Bewegung, die Räume des Körpers und hilft dem/der SchülerIn Formeln, Bilder, Aufmerksamkeitszustände zu finden und zu entwickeln, die das loslassen muskulärer Spannungen ermöglichen.
 
Unterricht in der Alexander-Technik ist eher teurer und kostet pro Stunde zwischen 30 und 80 Euro (je nach Region und Preisen der individuellen Lehrerin). Dabei muss man/frau damit rechnen, dass man/frei um die 20 Sitzungen braucht um die Technik zu erlernen. Das entspricht mit ca. €600 aber in etwa den Kosten eines Jahresabbonoments im Fitnessstudio und ist am Ende des Tages wesentlich effektiver zur Behandlung von Körperproblemen wie Rückenschmerzen.