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Alter Artikel 1: Rückenprobleme

Muskelverspannungen und Rückenschmerz
 
Mittlerweile hat sich die Erkenntnis, dass die Muskeln wesentlich am Schmerzgeschehen bei Rückenproblemen beteiligt sind mehr und mehr durchgesetzt. Tatsächlich muss man wohl differenzieren zwischen „Rückenproblemen“, wenn man so möchte, also z.B. Bandscheibenvorfällen, Ischiasnervreizungen etc., und „Rückenschmerzen“, wobei letztere, so glauben zumindest manche Autoren, ggf. identisch mit Muskelschmerzen sind. Wenn man das annimmt, geht man also davon aus, dass Bandscheibenvorfälle mit Nervenkompression nicht selbst Schmerzen am Nerv verursachen, sondern die Muskelverspannungen, die das Resultat z.B. des Vorfalls sind. Noch extremer sagen manche sogar, dass der Bandscheibenvorfall eine Folge der Muskelverspannung ist und nicht deren Ursache.
 
Ich möchte hier nicht soweit gehen und, wie z.B. der Freiburger Arzt Packi, behaupten, dass Bandscheiben und Nerven selbst nicht schmerzen können, sondern lediglich Muskeln die Schmerzen des Rückenschmerzes auslösen. Eine akute Nervenreizung z.B. des N. Ischiadicus fühlt sich aus meiner eigenen Erfahrung für den Betroffenen deutlich anders an, als die durch Muskeln verursachten Schmerzen. Aber, ich denke tatsächlich, dass sich zumindest chronische Rückenschmerzen völlig als Muskelschmerzen verstehen und behandeln lassen.
Ich glaube weiterhin auch, dass Muskelverspannungen Ursache von akuten Rückenproblemen sein können, die dann wiederum ihrerseits Muskelverspannungen und -Schmerzen verstärken, ein Vorgang, der seinerseits Fehlstellungen verschlimmert und zu neuen Rückenproblemen führt usw. Also das Modell des Teufelskreislaufs (s. Abbildung). Das ist auch nur logisch, bedenkt man doch, dass Muskeln an den Gelenken, z.B. der Wirbelsäule, ansetzen und Zug auf diese ausüben. Ein verspannter Muskel wird also über Zeit ggf. ein Gelenk aus seiner vormaligen Position „ziehen“.



Dass darüber hinaus ggf. Rückenprobleme entstehen können, ohne dass es zuvor Muskelverspannungen gab, muss glaube ich nicht diskutiert werden, weil es keine Auswirkung auf die Frage nach der sinnvollen Behandlung von Rückenschmerzen hat. Aber selbst, wo z.B. ein Unfall bekannt ist, lässt sich oft die Verursachung der Probleme auf Muskelverspannungen zurückführen: Ich selbst bin beim Kampfsport auf den Kopf gefallen und litt dann unter einem Schleudertrauma im Schulter-Nackenbereich. Im Röntgenbild war eine Steilstellung der Halswirbelsäule zu beobachten, die ihrerseits Folge einer Muskelverspannung war: Zum Schutz der Gelenke hatten sich meine Muskeln „verspannt“. Die zwei Wochen später folgende Diagnose einer Bandscheibenvorwölbung mag also wohl Festellung einer Folge, nicht einer Ursache gewesen sein. Die Schutz-Muskelverspannung hatte wohl die Bandscheibe – via der Steilstellung der Halswirbelsäule - „hervorgezogen“ und nicht umgekehrt die Bandscheibenvorwölbung die Schutz-Muskelverspannung ausgelöst..
 
Wie dem auch sei, die Diskussion was zuerst kommt, die Henne oder das Ei, hat wenig Wert, denn eines wird aus dem oben beschriebenen klar: Muskelverspannungen sind ein wesentlicher, wenn nicht der Schlüssel zur Behandlung von Rückenschmerzen, ob sie nun Ursache des ursprünglichen Rückenproblems sind oder in dessen Folge zur Ursache chronischer Schmerzen im Rücken werden.