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Der Junge mit den roten Cowboystiefeln

 
Der Junge trägt heute Cowboystiefel. Sie sind dunkel rot und mit schwarzen Mustern verziert. Die Kinder rennen umher und spielen fangen. Der Junge mit den Cowboystiefeln ist mitten unter Ihnen. Er strahlt leuchtend wie ein Frühlingsmorgen. Etwas übergewichtig jagt er sabber-lachend hinter den Mädchen hinterher. Prustend spuckt er beim undeutlichen Sprechen.
 
Immer wieder blickt er verstohlen auf die roten Stiefel. Und dann wieder hoch zu den kreischenden Mädchen. „Wie cool ich bin“, denkt er und läuft, das Übergewicht seit langem einmal außer acht lassend, noch schneller luftbespuckend im Kreis. Ab und zu krallt er nach einem hilfesuchenden Klassenkameraden und beginnt eine scheinbar spaßgemeinte Prügelei. Dabei schlägt er kontrollierend die Augen auf um immer wieder sicher zu stellen, dass die Mädchen sehen, wie stark er ist und wie rot seine vom Blut der Schlacht getränkten Stiefel glänzen.
 
Heute liegen die Mädchen ihm zu Füssen. Sie küssen ihm gleichsam die roten Stiefel mit den schwarzen Verziehrungen. Das Unheil, dass diese dunklen Runen andeuten, übersehen sie gnädig. Für heute.
 
 
 
Und immer schneller jagt der Junge. Bald taumelt er und fällt auch einmal auf den jeansbedeckten Fettpopo. „Egal“, in seinen Stiefeln rafft sich der Schulhofcowboy in Windesseile wieder auf.
 
Und weiter geht es: spucken, - „ausser Puste“ -, in roten Stiefeln hinter kreischenden Mädchen hinterher; verstohlen nach unten gucken – „wie cool“ – und wieder nach oben gucken – „wie schön“ – von den Damen heute wahrgenommen – „wie toll“.
 
 
 
Drumherum die Erwachsenen. Eltern der kreischenden Mädchen. Seine Eltern sind natürlich nicht anwesend.
Sie denken bei sich: Dieser fette Junge in den roten Cowboystiefeln mit den schwarzen Verziehrungen ist ein Assi.