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Der Strohsack


Der Strohsack
 
 
Es war einmal ein Strohsack, der lag an einem Sommertag herum. Er wußte selbst nicht wie er dort hingekommen war; irgendjemand hatte ihn wohl ausversehen fallengelassen.
„Das ist doch eine langweilige Angelegenheit hier rumzuliegen; Unverschämtheit – fallen lassen und dann weggehen, das ist doch Umweltverschmutzung!“, dachte er.
Er wollte weg, wußte aber nicht wohin er gehen sollte. Also schaute er nach links, doch dort wahr nichts von Interesse zu sehen. Er blickte nach rechts und auch hier geschah nichts Aufregendes. Ebenso war es vor und hinter ihm.
Der Müllsack verzweifelte.
Nachdem er schon sehr lange dort gelegen hatte, kam er auf eine Idee. Er rückte etwas zur Seite und blickte nach unten, dorthin wo er zuvor gesessen hatte. Doch nur die graue, leblose Erde blickte ihn an und er entschied das dort nichts zu holen sei.
Wieder grübelte er. Und als er so dasaß und grübelte, viel sein Blick nach oben. Doch was war das? Für einen Moment schien es als bräche der graue Herbsthimmel auf und als wäre über ihm der strahlendblaue Sommerhimmel und in ihm...- da war es auch schon wieder vorbei. Der Himmel blickte grau und trüb wie eh und je auf den Klingelbeutel hinab.
Dieser saß jetzt Tag um Tag an derselben Stelle, betrachtete den dunklen Winterhimmel und konnte an nichts anderes denken als an den Sommerhimmel den er irgendwann dort oben gesehen hatte und in dem – so wahr es ja gewesen – die Strohsäcke froh und glücklich miteinander gelebt hatten.
Die Zeitungen schrieben der Dreckssack sei ein paar Tage später von Kindern, sie waren erst 14, in den Müll geworfen worden. Dort soll er noch lange von den Palästen der Strohsäcke, ihrem prunkvollen König und ihrer liebenden Königin gesprochen haben, bevor er verschied.
Ein paar Tage später begann der Frühling.