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Feldenkrais

Feldenkrais
 
Das Beispiel Feldenkrais zeigt, dass die dichotomische Sichtweise von Muskelverspannungen (Ungleichgewicht zwischen Spieler und Gegenspieler) eine Vereinfachung eines weitaus komplexeren Vorgangs ist. Wie oben ausgeführt sind an einer Bewegung nicht nur ein Muskelpaar oder Muskelpaare einer bestimmten Region, sondern Muskeln im gesamten Körper beteiligt. Versuchen sie einmal ihr Becken in die Mittelposition (weder Hohlkreuz, noch abgekippt) zu bringen, während sie gleichzeitig einen Buckel machen. Das ist fast unmöglich. Menschliche Bewegung ist immer vierdimensonal, d.h. findet in Raum und Zeit statt. Diese Tatsache deutet daraufhin, dass die Verkettung der Muskelarbeit im Körper ein hochkomplexes System ist: Wenn sie spazierengehen, setzen sie nicht einfach ein Bein vor das andere, sie varieren oder re-aktualisieren mit jedem Schritt, die Weite, Höhe, Geschwindigkeit ihrer Bewegung. Das meiste davon geschieht unbewusst: Sie weichen einer Pfütze aus, wie machen sie das? Welche Muskeln sind beteiligt um ihr Bein einen Tick weiter nach links zu setzen? Ist ihnen die Arbeit dieser Muskeln bewußt?
Bei dieser Frage von Bewußtheit setzt Feldenkrais an. Seine Methode „untersucht“, wenn sie so wollen, unsere eingefleischten Bewegungsmuster, indem sie allererst ins Bewußtsein geholt werden. Wie das geschieht hat dabei schon fast philosophischen Wert, denn Feldenkrais bedient sich den selben Minimalpaar-Variationsbewegungen, wie es ein Säugling tut, der zunächst Sitzen, Krabbeln, Stehen und irgenwann Laufen lernt. Nur, dass er den Lernprozess, den der Säugling unbewußt vollzieht, durch Steuerung unserer Aufmerksamkeit begleitet und damit Bewußtheit bzgl. unseres Körpers und seiner Bewegungsfunktionen erzeugt.
Was ist eine Minimalpaar-Variationsbewegung? Das Wort stammt so nicht von Feldenkrais. Was ich damit meine ist das Vorgehen in Feldenkrais’ Methode „Bewußtheit durch Bewegung“: Durch die Wiederholung minimierter Bewegungsmuster - z.B. Kopf schwenkt rechts-links und Beine links-rechts - und die Minimalvariation dieser Muster – Kopf schwenkt rechts-links, Beine schwenken auch rechts-links -, eröffnet die Methode Zugang zu Bewegungsalternativen. Dadurch das wärend der Ausführung die Aufmerksamkeit des Übenden/der Übenden durch den Anleiter/die Anleiterin gesteuert – wird – z.B.: „Achten sie darauf was ihre Brustmuskulatur während der Bewegung macht“ -, können diese Alternativen beurteilt, in ihrer Qualität bewertet und somit „gelernt“ werden. Das Zusammensetzen der Minimalpaarbewegungen zu immer komplexeren Bewegungsmustern erzeugt schliesslich ein reicheres Bild des eigenen Bewegungssystems (und damit des eigenen Selbst). Ganz nebenbei – quasi – hat man/frau denn auch gelernt sich „richtig“ zu bewegen und „falsche“ Bewegungsmuster/Haltungen zu vermeiden, abzulegen.