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Kleine Bewegung

Kleine Bewegung
 
Du kannst nicht sehen, wie schön ich tanze?
Nun, es ist die kleine Bewegung, in der all mein Edel steckt.
Du schraubst Dich empor in Pirouetten?
Schlägst Salti und beherrschst den Flic-Flac?
Nun, ich habe soeben erst das Stehen gelernt,
Bzw.: Ich übe noch zu Stehen.
Die Weite Deines Schwungs,
Die Kraft Deines Arms,
Die Höhe Deines Beines –
Atemberaubend sind sie!
Ich aber kann nichts als unscheinbar sein -
Versteckt und leise atme ich vor mich hin.
 
Doch ja, es gibt sie, die bösen Tage,
An denen ich versuche Dich nachzuahmen.
Trunken von Deinem Bilde springe ich umher:
Reiße das Bein hoch,
Stemme den Stein empor,
Schraube mich gen Himmel und schlage Baum auf Baum.
 
Wie herrlich das ist!
Endlich vom Publikum geliebt -
All die großen Bewegungen vermögend.
In solchem  Wahn mit mir selbst,
Taumele ich glücklich umher,
Und betrinke mich an meinem Bild von mir als Dir.
Bis ich – kleine Unachtsamkeit –
Höchst unsanft stürze und hinfalle.
 
Da stehen Sie dann lachend,
Begucken meine blutigen Hände und geschwollenen Knie,
Zeigen auf den zu Boden gesunkenen Schuster und rufen lachend:
„Bei Deinen Leisten, bei Deinen Leisten – ins Kristall bald Dein Fall!“
 
Mich schämend schlurfe ich von dannen.
 
Doch Du lache nicht!
Meine Leisten, sind größer als Du glauben magst!
Ja, übertreffen gar die Deinen.
Nur Deinem Vergleiche,
Dem darf ich mich nicht unterjochen.
 
Nur in der kleinen Bewegung liegt all mein Glück:
Im Stehen,
Im Sitzen,
vielleicht im Gehen.
In einem versteckten, leisen Atmen.
 
Wie eine Kugel,
so ruhe ich leicht in Mitten meines Lebens,
während Du Deine Kapriolen hastig um mich schlägst
Und voll von Ärger übersiehst,
Wie stark ich bin.