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Muskelverspannungen

 

Muskelverspannungen und eigeschränkte Beweglichkeit der Faszien
 
Die körperlichen Quellen der Schmerzen: Muskeln und Faszien
Wenn wir im engeren Sinn über Schmerzen am Bewegungsapparat sprechen – also Scherzen, die z.B. durch Tumore oder Wunden erzeugt werden ausschließen – so stellt sich die Frage nach der körperlichen Quelle dieser Schmerzen. Diese körperliche Quelle ist also auch dann für unsere Schmerzen verantwortlich, wenn der Auslöser unserer Schmerzen auf der Ebene unserer geistigen Selbstbeschreibung liegt. Die Antwort, die ich im Folgenden auf diese Frage geben will, ist sicherlich prinzipiell zu kurz und hinkt medizinisch. Im Rahmen unseres Interesses uns selbst bei Rückenscherzen behandeln zu können, reicht sie aber aus um uns einige Bilder und Metaphern zu vermitteln, die das was wir gegen unsere Schmerzen tun können unterstützen.
Nun können Sie aus der Überschrift dieses Kapitals ableiten, dass ich offenbar Muskeln und Faszien – wir können uns Faszien alltagstauglich als das Bindegewebe, das die einzelnen Elemente unseres Körpers umgibt vorstellen - als Quellen von Schmerzen am Bewegungsapparat vorschlage. Warum? Machen wir uns bewusst, wie Bewegung – körperlich betrachtet – funktioniert: Unsere Bewegungen entstehen aus dem komplexen Zusammenspiel von Nervenstrukturen, Faszien, Muskeln, Bändern und Knochen. Sehr vereinfacht dargestellt sendet das Gehirn einen Impuls an das Nervensystem, die betroffenen Nerven aktivieren die Muskeln, die für eine bestimmte Bewegung zuständig sind und diese Muskeln setzten bestimmte Gelenke, Knochen in Bewegung. In Form gehalten und kanalisiert wird diese Bewegung aber von den Faszien, einem Netzwerk dünnerer und dickerer Bindegewebshäute, die Muskeln, Knochen und Bändern ummanteln und z.B. neben- oder übereinanderliegende Muskeln voneinander trennen. Diese Beschreibung lässt sich so abstrahieren: Das Gehirn entspricht einer zentralen Schalteinheit, quasi einer Befehlszentrale. Die Nerven sind die Boten dieser Befehlszentrale. Die Knochen zuletzt sind die fixen Elemente um deren Bewegung es geht, die aber selbst unbewegt bleiben. Was sich allein bewegt in dieser Kette ist der Empfänger der Nerveninformation, die Muskeln. Sie kontrahieren und extrahieren und verändern auf diese Weise die Position der Knochen zueinander. Dabei bewegen sie sich durch das Kanalsystem der Faszien und werden somit in der Weite und Ausdehnung ihrer Bewegung durch deren Elastizität begrenzt. Wenn also in diesem Bewegungssystem Schmerzen auftauchen, so scheint es sinnlos deren Verursachung an den Knochen zu suchen. Die Nerven wiederum sind wie bloße Kabelstränge zu verstehen, durch die Information transportiert wird. Sie können durchaus Ursache von Schmerz sein – das weiß jeder der einmal Zahnschmerzen hatte - sind dies aber nur bei direktem Druck auf den Nerv, also quasi bei einer Form der Verletzung. Karies ist eine solche Verletzung oder auch ein Bandscheibenvorfall. Akute Schmerzen an den Nerven würden also einen Druck auf den Nerv voraussetzen. Das hieße aber, dass sich die Behandlung dieser Nervenschmerzen mit der Druckquelle beschäftigen müsste, nicht mit dem Nerv. Das Gehirn, die Schaltzentrale wiederum empfängt über die Nerven Informationen aus dem Körper und wandelt diese in verarbeitbare Empfindung um. Der Schmerz entsteht also eigentlich erst in bestimmten Arealen des Gehirns. Aber es ist nicht das Gehirn, das die originäre Quelle des Schmerzes im Sinne seiner Verursachung ist. Wir sehen bei dieser Aussage im Moment erst mal davon ab, dass das Gehirn, wie wir heute wissen, Informationen der Nerven speichern kann und z.T. auch dann noch die Empfindung von Schmerz re-produziert, wenn die eigentliche Verursachung des Schmerzen schon gar nicht mehr existiert. Die Muskeln nun scheinen der beste Kandidat für die Quelle unserer Schmerzen am Bewegungsapparat zu sein, weil sie das sich bewegende Element in dieser Funktionskette sind. Sie verfügen über die Fähigkeit sich anzuspannen. Jeder, der Sport betreibt weiß, dass  diese Fähigkeit sowohl bei der Ausführung des Sports, nämlich dann wenn der Muskel durch akute Spitzenbelastung – Fußballer kennen das Problem des Wadenkrampfes – überanstrengt wird, als auch danach – das ist das Phänomen des Muskelkaters – zu teils erheblichen Schmerzen führen kann. Die Muskeln aber können sich nur so gut und d.h. so weit und geschmeidig bewegen, wie ihre „Autobahnen“, die Faszien, dies zulassen. Herrscht hier eine Verminderung der Elastizität, so muss sich diese kontraproduktiv  auf die Arbeit der Muskeln auswirken und ggf. zu einem „Stau“ führen. Ein solcher Stau ist aber nichts anders als ein Verlust an Beweglichkeit.
Muskelverspannungen und Triggerpunkte
Mittlerweile erkennen die meisten Autoren in einer fehlgesteuerten Arbeit unserer myofaszialen (myo = Muskel) Strukturen einen, bzw. den Hauptgrund von Schmerzen am Bewegungsapparat. Ich möchte versuchen die durch Muskeln und Faszien verursachten Schmerzprobleme darzustellen. Im Zentrum dabei stehen zunächst Muskelverspannungen. Ganz simpel gesagt handelt es sich bei einer Muskelverspannung um eine Dauerkontraktion eines Muskels. Ein Muskel, der kontrahiert, verkürzt sich in der Länge. Da das Material des Muskels, der sich in diesem Zusammenhang wohl am besten mit einem Gummiband vergleichen lässt, nicht einfach verschwinden kann, muss er also auf kürzerer Strecke an Volumen/Umfang zunehmen. Der Muskel bildet quasi einen Bauch durch Kompression seiner Fasern. Diese Kompression erhöht den Druck auf die Gefäße, die im Inneren des Muskels liegen und sorgt dafür, dass die Versorgung des Muskels nicht mehr optimal funktioniert: Frisches Blut und mit ihm Sauerstoff kann nicht mehr frei in den Muskel fließen und der Abtransport von Abfallstoffen lässt nach. Bei einer momentanen Anspannung des Muskels ist das kein Problem. Sobald sich der Muskel wieder entspannt, fließt neues Blut ein, und mit ihm neuer Sauerstoff. Bei einem verspannten Muskel aber ist die Versorgung des Muskels dauerhaft herabgesetzt und es kommt zu vermehrten Abfallansammlungen im Muskel. Die Prozesse sind medizinisch gesehen sicherlich komplizierter und z.T. auch noch nicht voll verstanden, aber ihre Folge ist jeder und jedem bekannt, der schon einmal einen verspannten Muskel hatte: Es kommt zu Schmerzen. Solche Muskelverspannungen entstehen wenn der Kreislauf von Muskelanspannung und Muskelentspannung durcheinander gerät. Erinnern Sie sich daran was wir gesagt haben: Durch unsere Muskeln bewegen wir Knochen mit dem Ziel eine bestimmte Handlung auszulösen – z.B. das Heben des Arms. Ist diese Handlung abgeschlossen, so entspannt sich der Muskel wieder. Verspannt sich der Muskel, so erhält er also ein Bewegungsmusteraufrecht, dessen dazugehörige Aktion bereits abgeschlossen ist. Die Folge ist ein Ungleichgewicht zwischen Muskelbelastung und Muskelregenerationsfähigkeit, das in Schmerz resultiert.
Die Schmerzen, die Muskelverspannungen auslösen, stehen  in engem Zusammenhang mit einem Phänomen, dass in angelsächsischen Ländern früh als zentral in Bezug auf Schmerzen des Bewegungsapparates erkannt worden ist: die Triggerpunkte. „To Trigger“ ist Englisch und bedeutet „etwas auslösen“. Der Name leitet sich aus Phänomen ab, dass diese Punkte im Muskel, Schmerz nicht nur lokal am Ort ihrer Entstehung auslösen, sondern ebenso in weiter entfernten Arealen des Körpers. Wir können uns im Rahmen unserer mehr laienhaften Überlegungen einen Triggerpunkt am besten als einen Muskelknoten vorstellen. Tatsächlich lassen sich Triggerpunkte oft als Knötchen im Bauch des Muskels erfühlen. Ein solcher Knoten befindet sich quasi im Kompressionszentrum des dauerhaft angespannten/verspannten Muskels.
Für die Entwicklung eines Programms der Selbstbehandlung von Rückenschmerzen und Schmerzen am Bewegungsapparat allgemein ist es wichtig zu verstehen, dass Triggerpunkte zwar oft die Ursache von Schmerzen sind, aber nicht deren Auslöser. Triggerpunkte selbst entstehen nur, wenn ein Muskel über Dauer zu stark belastet, d.h. angespannt wird, bzw. wenn es durch Traumen – berühmt ist das Schleudertrauma nach einem Autounfall – zu einer akuten Überlastung des Muskels kommt. Obwohl wir also im Praxisteil darauf eingehen werden, wie sich Triggerpunkte selbst behandeln lassen, ist darauf hinzuweisen, dass diese Behandlung immer nur den Charakter einer ersten Hilfe hat. Wirklich behandeln müssen wir Schmerzen am Bewegungsapparat, indem wir ihre zugrundeliegenden Ursachen auflösen. Doch dazu später mehr.
Eingeschränkte Elastizität der Faszien
Neben einer Überlastung und Dauerkontraktion von Muskulatur trägt wesentlich eine eingeschränkte Beweglichkeit des Organismus zum Entstehen, gerade auch chronischer Schmerzen bei. Dabei ging man in der Vergangenheit davon aus, dass die allgemeine Steifheit von einigen Menschen ihre Ursache in einer „verkürzten“ Muskulatur hat. Dementsprechend bemüht man sich heute noch im Sport durch Dehnübungen die Muskulatur zu „verlängern“. Wie oben aufgeführt, verschwindet das Material eines Muskels aber nicht einfach. Ein Muskel verkürzt sich in diesem Sinne auch nicht, sondern er ist höchsten angespannt und wir haben „vergessen“ wie man ihn wieder entspannt. Daneben wissen wir aber heute, dass unser Fasziennetzwerk wesentlich zu einer allgemeinen Steifheit beitragen kann. Die tiefliegenden Schichten des Fasziengewebes, die u.a. auch unsere Muskeln umhüllen, besitzen durchaus die Fähigkeit ihre Elastizität und Beweglichkeit einzubüßen. So können z.B. die Faszien, die zwei nebeneinanderliegende Muskeln umhüllen miteinander „verkleben“. Zwischen den Faszien fließt normalerweise die Lymphe, eine Flüssigkeit, über die Nähr- und Abfallstoffe transportiert wird. Verkleben Faszien, bedeutet das, dass dieses Transportsystem gestört wird und es seinerseits zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Nährstoffen kommt. Sie sehen, der Prozess ist eng verwandt den Zusammenhängen, die wir oben anhand der Muskelverspannungen und der Triggerpunkte beschrieben hatten. Tatsächlich muss man wohl davon ausgehen, dass Muskeln in denen wir Triggerpunkte finden Muskeln sind, deren Faszien an Beweglichkeit eingebüßt haben. Entsprechend ist im Areal eines verspannten Muskels das Bindegewebe in Mitleidenschaft gezogen, so dass sich die Stellen oft wie brennend, entzündet anfühlen. Da die Faszien aber in einem den ganzen Körper durchdringenden Netzwerk verbunden sind, ist klar, dass eine Blockade der Beweglichkeit von Faszien an einer Stelle des Körpers Auswirkungen auf andere, bzw. alle Areale des Körpers haben muss. Die Beweglichkeit der Faszien wieder herzustellen und eventuelle Verklebungen zu lösen, ist also ein wesentliches Ziel in der Behandlung von Rückenschmerzen. Leider sind die Faszien der Selbstbehandlung nicht so einfach zugänglich wie die Muskeln, so dass es sich empfiehlt parallel zu einem Selbstbehandlungsprogramm Hilfe bei Therapeuten aufzusuchen, die Faszien behandeln, wie z.B. Ostheopaten. Auch dazu später mehr.
Was ich ihnen mit dem hier Dargestellten sagen will ist, dass unsere Knochen und Gelenke, macht man sich die logische Funktionskette von Bewegung – Gerhirn/Nerven/Muskeln/Faszien/Bänder/Knochen – bewußt, gemeinhin NICHT die Ursache unserer Schmerzen sind. Das steht im Konflikt zu einer Überzeugung, die der Siegeszug der Chirotherapie und der parallele Siegeszug der Bandscheibenoperation in den letzten Jahren verankert hat. Demnach gehen heute die meisten Menschen davon aus, dass Schmerzen z.B. am Nacken Ausdruck einer „Blockade“ sind, bzw. Schmerzen am unteren Rücken für einen „Bandscheibenvorschub“ oder zwei sich aufgrund von Verschleiß berührende Bandscheiben sind. Überhaupt hören wir oft, dass unser Körper verschleißt und viele Ärzte speisen uns und unsere Schmerzen mit dem Hinweis auf diesen altersbedingten Verschleiß ab.
Ich will nicht bestreiten, dass konstante Fehlbelastungen unseres Körpers zu einem bestimmten Verschleiß auch an Knochen und Gelenken führen können. Ich bin mir auch sicher, dass es Gelenkblockaden gibt, NUR: diese entstehen durch ein verspannte Muskulatur und eine verminderte Elastizität der Faszien und sind kein Phänomen unserer Knochen! Unsere Knochen bewegen sich von alleine nicht. Sie bewegen sich also auch nicht in eine ungünstige Position, wenn wir sie nicht durch andere Bewegungen dorthin bewegt haben. Diese anderen Bewegungen werden aber durch unsere myofaszialen Strukturen gesteuert! Ebenso werden konstante Fehlhaltungen der Knochen – z.B. eine Skoliose –, die dann zu „Verschleißerscheinungen“ führen, nicht durch die Knochen hervorgerufen. Wie auch? Sie werden verursacht von dauerhaften Muskelkontraktionen und einem wenig beweglichen Bindegewebe, die Knochen und Gelenke in Stellungen halten, die hochgradig ungünstig für unseren Körper sind.
Lassen Sie uns also auf die Suche nach solchen myofaszialen Verspannungen gehen. Betrachten Sie Ihren Körper dabei wie eine weiße Landkarte, denn, in den allermeisten Fällen wissen Sie gar nicht, WIE sie sich bewegen und WO sie bestimmte Muskeln anspannen. Und wenn Sie das nicht wissen, wie wollen sie dann wissen, welche Muskeln Sie ggf. dauerhaft verspannen?
Die Suche nach Triggerpunkten wird uns helfen verspannte Muskulatur aufzuspüren und uns ins Bewusstsein zu holen. Daneben hilft es ebenso Muskelansätze auf dem Knochen zu untersuchen, denn auch diese sind, ist der dazugehörige Muskel verspannt, oft schmerzhaft, bzw. Areale, in denen offensichtlich unser Bindegewebe allgemein ins Mitleidenschaft gezogen ist.
Wir werden uns zu Beginn des Praxisteils noch mit den Muskeln beschäftigen, die „traditionell“ die Haupttäter bei Muskelverspannungen darstellen. Zuvor wollen wir aber überlegen, was unsere Muskelverspannungen auslöst, da nur dieses Verständnis uns helfen kann ein Programm zu entwerfen, das uns dauerhaft von (Rücken-)Schmerzen befreien kann.