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Schmerzen

Schmerzen

 
Körper und Schwerkraft
Unser Körper besteht aus verschieden dichten Gewebsstrukturen. Evolutionär hat er sich so entwickelt, wie er sich bis heute entwickelt hat, weil wir der Schwerkraft ausgesetzt sind, wie wir es auf dem Planeten Erde sind. Das wesentliche Moment dabei ist der permanente Druck bzw. Zug der Schwerkraft auf diese/an diesen Gewebsstrukturen. Es ist sicherlich etwas zu einfach dargestellt, aber über Zeit hat dieser Druck/Zug dazu geführt, dass sich unsere Gewebsstrukturen so differenzieren, dass sie die überlebensnotwendigen Funktionen des Körpers effizient ermöglichen, und d.h. auf die Schwerkraft abstimmen.
Solche Funktionen sind die Bewegung des Körpers im Raum und die Arbeit der Organe (die genaugenommen ja auch Bewegungen im Raum sind). Es ist von daher nicht verwunderlich, dass sich in unserer Vergangenheit Knochen als härtere Gewebsstrukturen  und Muskeln, Nerven und anderen „weichere“ Gewebsstrukturen herausgebildet haben. Dort wo der Zug der Schwerkraft am meisten auf dem Gewebe lastete, hat es sich sozusagen zum Knochen verdichtet.
Wenn wir uns nun den menschlichen Körper als eine dreidimensionale Anordnung von Elementen vorstellen, die zunächst einmal keinem anderen Gesetz als dem der Schwerkraft folgt und sich nur auf diese einstimmt, so ist nicht einzusehen, warum der evolutionäre Anpassungsprozess des Körpers nicht absolut „perfekt“ in den Sinne gelaufen sein sollte, dass das System Körper die höchste Effizienz gegenüber der Schwerkraft in Bezug auf die Bewegung des Körpers im Raum erlangt hat, die möglich ist.
Störungen des körperlichen Gleichgewichts
Körperlicher Schmerz entsteht dann, wenn dieses prinzipielle Gleichgewicht zwischen unserem Körper und der Schwerkraft durch bestimmte Einflüsse gestört wird. Wichtig dabei ist: wir sind kein „fixes“, mechanisches System, sondern wir sind ein sich veränderndes, organisches System. Unser Körper meistert demnach nicht nur statisch den Einfluss der Schwerkraft. Wäre dies so, d.h. würden wir uns nicht auch gegen die Schwerkraft bewegen, hätten wir vermutlich die Form einer Pyramide, bzw. eines Berges, da diese Form die stabilste Anordnung in statischem Zustand darstellt. Die Tatsache, dass wir uns im Raum bewegen, setzt aber eine bestimmte Labilität der körperlichen Balance voraus, gerade damit wir uns effizient gegen die Schwerkraft bewegen können. Stellen Sie sich vor, sie seien ein quadratischer Block. Das wäre sicherlich prinzipiell stabiler, aber könnten Sie so vor einem Tiger weglaufen oder eine Gazelle jagen oder Früchte vom Baum pflücken?
Unsere körperliche Labilität ist also notwendig für uns um die Dinge zu tun, die wir tun müssen um zu überleben, sorgt aber dafür, dass das basale Gleichgewicht unseres Körpers in Bezug auf die Schwerkraft leicht verloren gehen kann. Zunächst einmal durch körperliche Einflüsse, so wie z.B. einen Unfall: Ggf. stolpern wir beim Jagen der Gazelle über eine Ast und Fallen hin.
Daneben setzt sich unser Körper aber auch mit Kräften auseinander, die ihren Ursprung nicht auf der körperlichen Ebene haben. Solche Kräfte liegen oft in der Außenwelt: Wir sind soziale Wesen und leben letztlich in Herdenverbänden. Andere soziale Wesen, unsere Mitmenschen, üben „Kraft“ auf uns aus. Aber auch wir selbst verhalten uns zu uns selbst in dem wir quasi „Kraft“ auf uns ausüben. Wir nennen diese Kraft, die die organische Spezies Mensch ausübt WILLEN: Menschen sind Subjekte, die über einen Willen verfügen, d.h. wir handeln nach Wünschen und Überlegungen, die wir uns zu uns und unserer Umwelt machen.
Auslöser von Schmerz
Schmerzen am Bewegungsapparat – ein körperliches Phänomen -  können also körperliche Auslöser wie einen Unfall haben oder soziale Auslöser, bzw. Auslöser, die auf der geistigen Ebene unserer Selbstbeschreibung liegen. Wichtig ist: auch soziale Auslöser von Schmerzen manifestieren sich in körperlichen Ursachen unserer Schmerzen. Denken Sie einmal an die folgende Situation: Wir stehen morgens vor dem Spiegel und sagen unserem Spiegelbild, dass wir uns für einen Versager halten. Unser inneres Erleben wird auf diese Weise in hohem Grade negativ beeinflusst. Das alleine führt aber noch nicht zu Schmerzen.
Was jetzt den Schmerz auslöst, ist die körperliche Reaktion auf diese negative Beeinflussung unseres inneren Erlebens: Wir lassen die Schultern hängen und sacken in uns zusammen. Das ist der Verlust der körperlichen Balance gegenüber der Schwerkraft, der – gelingt es nicht diese körperliche Reaktion zu durchbrechen – auf Dauer zum körperlichen Phänomen Schmerz führt.
Der Teufelskreislauf der Schmerzen
Leider hat diese Kopplung unserer körperlichen und unserer geistigen Selbstbeschreibung durch ihren Einfluss auf unser inneres Erleben einen fatalen Nebeneffekt: Sie sorgt für eine Art Rückkopplungseffekt, einen Ursache-Wirkungs-Zirkel oder Teufelskreislauf, wie wir gemeinhin sagen. Der sieht dann so aus: Wir haben einen Verkehrsunfall und erleiden ein Schleudertrauma. Die starken Schmerzen belasten uns – sie haben einen negativen Effekt auf unser inneres Erleben. Wir können nicht arbeiten gehen und wir können uns sozial nicht so bewegen, wie wir das sonst gewohnt sind. Die Folge: wir fühlen uns weniger wert – ein soziales Phänomen. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, die in den Teufelskreis führen: 1. Wir lassen uns hängen. Wir über-schonen uns, lümmeln den ganzen Tag auf der Couch und tragen eine Halskrause. Unsere einstmals akuten Schmerzen wandeln sich: Sie werden mehr und mehr Schmerzen, die Auftreten, weil wir uns körperlich derart hängen lassen und haben mit dem ursprünglichen Schleudertrauma nur noch wenig zu tun. 2. Wir sagen uns: „Ich will nicht, dass ich nichts Wert bin. Ich lasse nicht zu, dass der Schmerz mir den Spaß am Leben versaut – jetzt erst recht.“ In diesem Fall schonen wir uns dann gar nicht, sondern beginnen viel zu früh wieder zu arbeiten oder Sport zu treiben etc. Die Folge: Unsere Willenskraft zwingt unseren Körper zu Aktionen, die er noch gar nicht wieder zu leisten im Stande ist. Es kommt zu neuen Schmerzen, die jetzt aber nicht mehr durch das einstmalige Schleudertrauma ausgelöst sind, sondern durch Fehlhaltungen und körperlichen Überforderungen, die aus unserem übertriebenen Ehrgeiz resultieren.
Frühkindliche Gleichgewichtsstörungen als Ursache von Rückenschmerzen aus heiterem Himmel
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich ca. 50% von Ihnen bei der Beschreibung oben angesprochen fühlen. Die anderen 50% werden ggf. sagen: „Ich hatte nie einen Unfall. Es gibt keinen objektiven Auslöser für meine Schmerzen, sie waren einfach auf einmal da.“ Sollten Sie so denken, unterstelle ich folgendes: An irgendeinem Punkt in ihrem Leben, wahrscheinlich sehr früh, haben sie gelernt den „Pfad“ der basalen Balance unseres Körpers mit der Schwerkraft zu verlassen. Sie haben begonnen körperliche Haltungen zu etablieren, die ihren Organismus belastet haben. Dieser Prozess beginnt in etwa ab dem dritten Lebensjahr. Die Ursachen für dieses Abweichen von der körperlichen Balance liegen dabei zumeist im sozialen Bereich. Sie haben oft ihren Grund in unserer Erziehung – ob durch die Eltern, durch die Schule oder auch durch Freunde. Der Teufelskreis in dem Sie sich dann befinden ist aber derselbe wie oben: Das Abweichen vom Status der frühen körperlichen Balance – über eine solche verfügen zumindest 80% der Säuglinge und Kleinstkinder – hat, vielleicht ohne dass es Ihnen bewusst war, dazu geführt, dass sie Ihr inneres Erleben negativ beeinflusst haben. Mehr und mehr stellte sich ein Rückkopplungseffekt ein, der dazu führte, dass sich die Abweichung vom Balancezustand zementierte und ausweitete. Solange Ihr Körper noch jung war, konnte er mit dieser negativen Beeinflussung umgehen. Aber irgendwann begann er sich zu melden: Schmerzen am Bewegungsapparat traten auf und für Sie kamen sie aus heiterem Himmel. Sie hatten längst vergessen, dass Sie in ihrem dritten Lebensjahr begonnen hatten ein Hohlkreuz zu bilden oder die Schultern hängen zu lassen…