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Schmerzfreiheit

 

Schmerzfreiheit – Leichtigkeit – Freiheit
 
 
Einsamkeit und Askese sind keine Lösung
„Die Hölle, das sind die Anderen“, das klingt so, als müssten wir uns in die Berge zurückziehen und in Askese leben um wieder schmerzfrei sein zu können. Natürlich können wir das nicht. Die Gesellschaft um uns ist uns nicht zufälliger, sie ist notwendiger Bestandteil unseres Seins. Wir müssen mit Ihr umgehen. Eltern, Lehrer und Chefs, das sind Realitäten unseres Lebens. Sie zu verneinen hieße ein Stück weit das Leben zu verneinen. Sicherlich, es mag sie geben, die Yogis, die in den Bergen alleine Hausen und dort glücklich sind. Aber sind sie auch noch Personen in dem Sinne, wie wir das Wort gebrauchen? Fehlt ihnen nicht etwas ganz Wesentliches in ihrer Zurückgezogenheit? Und damit meine ich nicht die kleinen Freuden unseres Alltagslebens. Was ich meine ist viel fundamentaler. In der Einsamkeit unterliege ich keinen sozialen Bedingungen mehr. Damit habe ich aber auch alle Möglichkeit zu sozialer Freiheit aufgegeben. Ich bin schlechterdings kein soziales Wesen mehr. Bin ich dann aber noch ein Mensch im vollen Sinne des Wortes?
Es ist nicht wichtig diese Frage hier zu klären. Ich werfe Sie auf, weil ich zeigen will, was, nachdem wir die entscheidende Rolle der Außenwelt für unsere Schmerzen erkannt haben, unser Ziel sein kann.
Ich will es so formulieren: Wenn Sie meinen Ausführungen bis hierhin gefolgt sind, dann haben Sie gemerkt, dass ich als Ursache von Schmerz die Einwirkung von Willen auf unseren Körper ansehe. Ein Wille ist eine Handlung, die einem überlegenden Selbstbewusstsein entspringt. Das kann unser eigenes Handeln an uns meinen – unser Verhalten – oder das handeln von anderen an uns. Nun könnte man logischerweise meinen, wenn unser Willen oder der Wille Anderer unsere Schmerzen ursprünglich verursacht, dann müssten wir uns von allem Willen befreien um schmerzfrei zu sein. Das eben macht der Asket in den Bergen. Er meditiert, bis er seinen Geist von allem eigenen Willen befreit hat und lebt in der Zurückgezogenheit, damit niemand anderes etwas von ihm wollen kann. Einen Willen zu haben ist aber für eine Person nichts Unbedeutendes. Im Gegenteil, wir würden nicht sagen, wir wären frei, wenn wir nicht über einen eigenen Willen verfügten. Wir würden noch nicht einmal sagen, wir wären Menschen, wenn wir nicht glaubten, dass wir, anders als die Tiere, etwas aus eigener Überlegung wollen könnten. Den Willen wegzuwerfen hieße also die Freiheit, das Mensch- oder Person-sein wegzuwerfen. Das kann nicht unser Weg sein. Wir wollen schmerzfrei sein UND einen eigenen Willen haben. Dementsprechend müssen wir nicht unseren Willen ausschalten, sondern ihn so verändern, dass er im Einklang mit unserem Körper läuft und uns keine Schmerzen bereitet. Wir müssen sozusagen unsere körperliche und unsere geistige Selbstbeschreibung harmonisieren. Es kommt auf das WIE unseres Willens an. Auf die Art und Weise, wie wir handeln. Gleichzeitig müssen wir die äußeren Einflüsse auf uns neu kontrollieren und neu mit ihnen leben lernen. Es geht nicht darum allen Kontakt zur Außenwelt abzubrechen, sondern Souveränität im Umgang mit den Anforderungen der Außenwelt an uns zu entwickeln. Es ist o.k., dass andere Menschen etwas von uns wollen, solange unsere Reaktion auf diese Willen, diese Kräfte der Außenwelt nicht unsere eigenen Kräfte ins Ungleichgewicht bringen bzw. überlagern und wiederrum die Harmonie in unserer Selbsterfahrung stören.
 
Leichtigkeit – der Zustand den es zu erreichen gilt
Das Erlernen dieser Souveränität aber im Umgang mit unserem eigenen Willen und dem Willen Anderer führt uns zu einem Zustand, in dem wir die Kräfte, die auf uns einwirken, so ausbalancieren können, dass wir ihnen allen in dem richtigen Maß gerecht werden können, dass wir von der Verrichtung der einen Tätigkeit zu der Verrichtung einer anderen Tätigkeit, von Wille zu Wille übergehen können, ohne uns selbst zu verlieren, ohne, dass irgendein Wille so auf uns wirkt, dass unser ganzes System sich an ihn verliert, sich an ihn bindet und alles andere in seinem Wert nur daran misst, wie sehr es uns gelingt diesem einen Willen gerecht zu werden. Das ist ihnen zu abstrakt? Hier ein Beispiel: Wenn ich alles was ich tue darauf abstimme, dass der Wille meiner Eltern an meinem Leben teilzuhaben befriedigt ist, dann hat alles nur dann Wert, wenn es diesem übergeordneten Wert – meine Eltern müssen zufrieden mit meinen Handlungen sein – genügt. Wenn ich von mir selber glaube, dass ich Filmregisseur sein muss und dass kein anderer Beruf im Leben zu mir passt, dann hat alles nur einen Wert, wenn es diesem übergeordneten Wert gerecht wird, dann werde ich verzweifeln müssen, wenn ich es nur zu einem „normalen“ Arbeitsverhältnis schaffe. Wenn ich glaube, dass es nur den einen Partner, die eine Partnerin in meinem Leben geben kann, dann werde ich die Schönheit eines Menschen, der nicht dieser Partner ist, nie sehen können und werde ggf. nach Verlust meines Idealpartners ewig einsam sein. Andersherum aber: Wenn ich zwar fähig bin Beziehungen einzugehen und dem aktuellen Willen Anderer an mich und meinem eigenen aktuellen Willen gerecht zu werden, aber gleichzeitig verstehe immer auch eine Form der Distanz zu mir selbst und zu den Anderen zu wahren, die es mir ermöglicht Partner zu wechseln, neue Freunde zu finden und vor allem keine Angst vor Konflikten mit aktuellen Partnern, Eltern, Freunden zu haben, dann kann ich mich leicht durch mein Leben bewegen. Und das ist der Zustand, den es zu erreichen gilt: Die Leichtigkeit. Leichtigkeit aber ist im Sinne unserer körperlichen Selbstbeschreibung zu übersetzen mit ‚muskulärer Ausgeglichenheit‘. Das Muskelsystem ist als Ganzes bezogen auf die Schwerkraft im Gleichgewicht, kein Muskel überspannt und zwingt so das System zu einer Ausrichtung auf diese Spannung. Im Sinne unserer geistigen Selbstbeschreibung ist sie zu übersetzen mit ‚gedanklicher und emotionaler Ausgeglichenheit‘:  Es gelingt uns innerlich wie äußerlich, die verschiedenen Bälle unserer sozialen Rollen gleichzeitig in der Luft zu behalten. Keine Bedeutung, die wir uns zuschreiben, wird so stark, dass wir alle anderen Bedeutungen, die wir auch haben, in ihrem Wert an sie zurückbinden und uns damit sozial blockieren. Der Verlust von Leichtigkeit auf der körperlichen Ebene resultiert in eingeschränkter körperlicher Beweglichkeit. Der Verlust von Leichtigkeit auf der geistigen Ebene resultiert in eingeschränkter sozialer Beweglichkeit. Der Verlust von Beweglichkeit allgemein resultiert in Schmerzen. Das Auftreten von Schmerzen aber beraubt uns unserer Erfahrung von Freiheit.
Wir haben im letzten Kapitel gesagt, dass Hohlkreuz, Rundrücken und zurückgezogene oder eingefallene Schultern das körperliche Zeichen einer Dominanz der Leistungsgrammatik der Außenwelt sind. Haben Sie schon einmal einen Menschen gesehen, der mit frei erhobenem Kopf, im Lot der Bewegung ausbalancierter Wirbelsäule und locker zum Rhythmus seines Ganges schwingenden Armen und Beinen in einen Raum kam? Seine Augen blickten dabei unangestrengt aus dem Körper und nahmen den vollen Raum wahr. Seine Lippen schienen leise zu lächeln und er hielt Schulter und Nacken frei und seinen Unterkiefer entspannt. Als er stehen blieb, stand er im Lot der Schwerkraft und behielt mühelos seine Aufrichtung. Ich habe diesen Menschen nur selten gesehen. Er aber trägt die körperlichen Zeichen der Leichtigkeit und der Freiheit. Er aber hat keine Schmerzen.