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Versuch einer allgemeinen Anleitung zum Gleichgewicht

Allgemeine Anleitung zum Gleichgewicht
 
  • Erstens: Sei nicht ehrgeizig. (Beachte „Zweiundzwanzigstens“)
  • Zweitens: Um „Erstens“ realisieren zu können: Befreie Dich so weit es geht von äußerem Druck.
  • Drittens: Erkenne die Rolle von Erziehung in „Zweitens“: Druck ist eine subjektive Reaktion auf objektive Anfragen, deren Basis Konditionierungen sind, die Du – zumeist - in Deiner Kindheit erfahren hast.
  • Viertens: Akzeptiere die Kosequenzen: „Drittens“ wird Dich verlangsamen. Du wirst weniger leisten. Du wirst ggf weniger gelobt. Vielleicht getadelt oder sogar gefeuert.
  • Fünftens: Erkenne, dass „Viertens“ der Weg zu Dir selbst ist: Wenn Du frei bist von Druck und die Konsequenzen dieser Freiheit akzeptierst, wirst Du handeln können, wie Du handeln willst.
  • Sechstens: Du in „Fünftens“ meint: Dein ganzes System, so dass nichts in ihm gezwungen ist: Weder zwingen Dir Schmerzen, noch Ängste, noch Ehrgeiz eine Entscheidung auf, sondern Du handelst in der Leichtigkeit Deines Seins: Ein leichtes Bewußtsein, dass einen leichten Körper begleitet.
  • Siebtens: Noch einmal, sei nicht ehrgeizig! „Sechstens“ erreichst Du nicht über Nacht. Bedenke die Regeln von Veränderung: 1. Veränderung geschieht oft nur allmählich. 2. Wenn sie eintritt bist Du nicht dabei; soll heissen, sie ist kein Event, kein Einschnitt, der Dir unbedingt als solcher bewußt wäre. 3. Bevor Du etwas besitzt, wirst Du es oft verlieren – Rückschläge begleiten alle Veränderung. 4. Veränderung ist dennoch völlig real und erreichbar. Zuletzt 5. Du kannst Dich nicht gegen Deinen „eigentlichen“ Willen verändern. (Diesen zu erkennen ist oft das Schwierigste).
  • Achtens: Akzeptiere Deine Kontingenzen: Ein Ackergaul ist kein Rennpferd. Du kannst nicht absolut wollen.
  • Neuntens: Akzeptiere nicht die typischen Limitierungen, die „Achtens“ gemein hervorruft (z.B. „Schuster bleib bei Deinen Leisten.“): Auch ein Ackergaul kann sich für seine Verhältnisse schnell bewegen.
  • Zehntens: Vergleiche Dich deshalb nicht mehr. Das Rennpferd ist ein Produkt des Vergleichs. Vergleiche beziehen sich nur auf das, was aussen von allen wahrnehmbar und begrifflich fassbar ist. Dieses Objektive ist nie das was Du fühlst. Dir geht es darum WIE es ist Du zu sein, nicht WAS Du für andere bist.
  • Elftens: „Zehntens“ ist ein Absage an die Idee des Wettkampfs und der Konkurrenz.
  • Zwölftens: Was „Zehntens“ verschweigt: Du kannst Dich fühlen wie ein Rennpferd, aber Du kannst nicht sagen, dass Du im objektiven Sinne ein Rennpferd bist. Deine Umwelt wird Dir diesen Kategorienfehler übel nehmen und Dich für verrückt erklären (es ein denn Du sprichst für alle erkennbar in Metaphern).
  • Dreizehntens: Aber Du kannst Dich dennoch wirklich wie ein Rennpferd fühlen, ohne das dies paradox wäre. Ein solches Gefühl möchte ich eine ‚subjektive Evidenz‘ nennen.
  • Vierzehntens: „Nicht-ehrgeizig sein“, wie ist das möglich? Die Antwort: Durch balancierende Korrektur.
  • Fünzehntens: Um „vierzehntens“ verwirklichen zu können, achte in einem Moment darauf, was Dich, Dein System dominiert: Hast Du es besonders eilig? Fährst Du oder isst Du zu schnell? Bist Du gelangweilt? Redest Du hastig? Spannst Du Deinen Kiefer an (Kaudruck)? Beobachte und Erkenne was Du gerade tust.
  • Sechszehntens: Tue bewußt das Gegenteil von dem, was Du in „fünfzehntens“ erkannst hast. Z.B. Gehe beton langsam; kaue sehr lange beim Essen.
  • Siebzehntens: Dieses Verhalten in „sechzehntens“ wird Wiedersetzlichkeit in Dir hervorrufen. Du wirst Dich innerlich gegen diese Dir selbst auferlegte äußere (Bewußtsein) Reglementierung wehren. Halte dies zunächst aus. Bleibe konsequent mit Dir. Versuche Deine Re-Balancierung bis zu dem Punkt zu treiben, an dem Dein Inneres Empfinden nachgibt. DAS IST DER PUNKT DER LEICHTHEIT. Lasse an diesem Punkt los, d.h. versuche nicht weiter Dich bewußt zu Reglementieren, sonder lasse alle Konzentration fahren.
  • Achtzehntens: Ggf. ist Dein innerer Widerstand am Anfang zu groß. Breche dann ab und setze nach einer kurzen Pause erneut an. Vielleicht funktioniert auch das nach mehrmaligen Versuchen nicht. Lasse dann jeden Versuch Dich bewußt gegen Deine Dominanzen zu steuern bleiben, aber kehre an einem anderen Tag unter ähnlichen Umständen wieder zu dieser Übung zurück.
  • Neunzehntens: Bedenke zu „achtzehntens“, dass Dein Wille prinzipiell und in dieser Sache immer zwei Wege nehmen kann: Den mehr aktiven, über Kraft, indem Du Druck ausübst um eine Bewegung einzuleiten oder zu verhindern (z.B. durch aktives „Schliessen“ einer Richtung). Oder den mehr passiven Weg des Einladens, des Öffnens, bei dem Du einen Raum für Bewegung öffnest und es dem System angenehm zu machen versuchts in diesen Raum vorzudringen. Beide Dimensionen des Willens (bzw. von Handlung) – Druck/Schliessen und Einladen/Öffnen (Ying und Yang, wenn man/frau so will) – arbeiten mithin Hand in Hand bei JEDER Handlung/Bewegung, die Erfolg zeigt. Ansonsten drückst Du Dich selbst gegen eine Tür die Du selbst gleichzeitig zuhälst. Und auch das passiert uns im Alltag oft (z.B. durch Ehrgeiz): Wir verbrauchen dann unwahrscheinlich viel Energie, ohne in irgendeinerweise effizient Bewegung zu erzeugen und d.h. zu Handeln, wie wir handeln wollen.
  • Zwanzigstens: Die Form der hier vorgestellten Balance-Korrektur entspricht dem, was ein Reiter/eine Reiterin mit ihren Pferden machen. Du reitest Dich quasi selbst.
  • Einundzwanzigstens: Prinzipiell gibt es zwei Wege sich selbst zu reiten: 1. Den Weg des Spiels. Das Paradebeispiel ist Feldenkrais: Du nimmst Dich für eine Lektion aus dem Zusammenhängen des Alltags heraus und spielst mit den Möglichkeiten Deines Systems. So lernst Du nach und nach, wie Du Dich anders verhalten kannst und es entsteht die Möglichkeit für Alternativen zu Deinen Dich dominierenden Verhaltensweisen. 2. Den Weg der Distanz. Das Paradebeispiel ist die Alexandertechnik: Während Du Dich im Alltag durch Dein Leben bewegst, gehst Du in Distanz zu Dir und ermöglichst Deinem Bewußsein so Momente alternativer Steuerung. Z.B. stehst Du nicht einfach auf, sondern hemmst für einen Bruchteil den Automatismus des Aufstehens (Moment der Distanz) und nutzt diesen Stop um den Automatismus zu durchbrechen (z.B. gibst Du Dir die Anweisung „Kopf nach oben“), um anders zu handeln als gewöhnlich.
  • Zweiundzwanzigstens: „Allgemein“ in der Überschrift wird eingeschränkt durch „Erstens“: Die Grudnannahme hier ist, dass „unser“ gemeinsames „Problem“ eine Welt ist, die sich immer schneller dreht, mit Menschen, die immer früher zu Leistung erzogen, zum durchhalten angehalten, zum ertragen gemahnt werden. Dies produziert ehrgeizige Menschen, die im Beruf „Vollgas“ geben oder auch Menschen, die ihren Körper, ein Hobby etc. als Spielfeld einer übertriebenen Selbsterschaffung entdeckt haben (insofern würde ich sowohl den Workaholic, den 100km-Läufer, als auch die/den Magersüchtigen als „ehrgeizig“ bezeichnen). Das mag im Einzelfall nicht zutreffen. Die persönliche Dysbalance kann dann anders gelagert und Ehrgeiz nicht das vornehmliche Problem sein. Das Allgemeine der hier vorgestellten Punkte, liegt also nicht in den konkreten Vorschlägen, sondern vielleicht mehr in der „Methode“. Mithin ist auch diese nie allgemein richtig oder falsch.
Siehe wie weit Du auf diese Weise kommst. Geht es nicht mehr weiter, schmeisse manches vom Gesagten oder alles hier Gesagte weg und versuche etwas anderes.